Wenn Hoffnung zur Falle wird: Warum wir so lange in ungesunden Beziehungen bleiben

Veröffentlicht am 10. Januar 2026 um 15:46

Kennst du diesen Gedanken: ‚Wenn er nur merkt, wie sehr ich leide, wird er sich ändern.‘ oder

‚Es war doch am Anfang so schön, wir können da wieder hinkommen.´‘ ?

 

Viele empathische Menschen, vor allem Frauen, haben eine ganz besondere Begabung: Wir sehen in anderen das Potential, das sie haben und oft nicht nutzen. Eine ganz besondere Fähigkeit, die leider aber häufig dazu führt, dass wir uns in die Version eines Menschen verlieben, der er sein könnte. Nicht die die Version, die er tatsächlich ist. Damit beginnt eine oft schmerzhafte Reise durch einen Beziehungsalltag, den wir aufrecht erhalten und der uns lange gefangen hält, weil wir kaum in der Lage sind, die Hoffnung aufzugeben, das sich die Person nicht doch noch ändern wird. Denn das Potential ist für einen selbst ja sichtbar vorhanden. Das Ganze endet dann in der "Hoffnungsfalle".

 

Jeder Anfang hat einen Zauber inne. Jede neue Beziehung ist eine Weile stabil und schön. Erst wenn die rosarote Brille vollends gefallen ist, sehen wir, welche Zeichen wir von Beginn an ignoriert haben und welcher Typ Mensch unser Partner tatsächlich ist. Während unser Verstand nun aktiv Argumente sammelt, wieso sich das Kämpfen um diese Beziehung wirklich lohnt, hat unser Körper bereits längst begriffen, dass wir uns in keiner guten Gesellschaft befinden. Ich bin sicher, einige von euch werden dieses ungute Gefühl, vielleicht ein Ziehen in der Magengegend, gut kennen. Wie ein Warnung breitet es sich aus, der Körper verkrampft. Schlaf wird unruhig, Verspannungen im Nacken und Kopfschmerzen nehmen zu. Das Nervensystem hat längst begriffen, was der Kopf nicht hören will.

 

Warum ist die Hoffnung so hartnäckig?

Wir wissen längst, dass die Person, für die wir uns entschieden haben, nicht die Person ist, die uns gut tut. Jedoch halten wir trotzdem daran fest, weil wir unter anderem gelernt haben, das Durchhalten eine vorbildliche Charaktereigenschaft ist und für Stärke steht. Wir verwechseln emotionale Erschöpfung mit Loyalität. Wir denken: "Wenn ich mir nur noch ein bisschen mehr Mühe gebe. Wenn ich nur noch etwas mehr appelliere. Wenn ich noch etwas länger kämpfe. Dann wird mein Partner es endlich verstehen." Wir sind gefangen in einer Illusion über unsere Beziehung, durch die wir übersehen: Das mögliche Potential ist keine Realität.

 

Ein Mensch kann das Potenzial zum Bergsteiger haben – wenn er aber lieber im Tal sitzen bleibt, wirst du den Gipfel mit ihm nie erreichen.

 

Wie entkomme ich der "Hoffnungsfalle"?

Ich gebe dir drei Fragen an die Hand, die du dir einmal beantworten darfst.

  1. Realtitätscheck: Wenn sich in den nächsten 5 Jahren nichts an der Situation ändern würde, wie würde es dir damit gehen und welche Entscheidung würdest du in 5 Jahren treffen wollen?
  2. Deine Ressourcen: Wie viel Energie kostet dich das Aufrechterhalten der Hoffnung täglich und wofür könntest du diese Kraft stattdessen nutzen?
  3. Dein Spiegel: Wenn deine beste Freundin/Freund dir exakt deine Geschichte erzählen würde – was würdest du ihr/ihm raten?

 

Der erste und wichtigste Schritt ist es, zu erkennen, dass man einem Scheinbild hinterher läuft, das nicht real ist, sondern als Wunsch im eigenen Kopf entstanden ist. Manchmal fällt das Gehen noch schwerer, weil Kinder mit im Spiel sind. Das zusätzliche heile Bild einer intakten Familie, was man aufrecht erhalten möchte, lässt einen lange an etwas festhalten, was in der Realität längst zerstört ist. Dazu kommt der Glaubenssatz, trennen ist scheitern. Gerade den Frauen wurde lange eingeredet, dass sie nach einer Trennung wertlos seien und keinen weiteren Partner mehr finden würden. Es ist nicht wahr und innerlich wissen wir, dass eine Entscheidung gegen eine Partnerschaft, die uns nicht gut tut und langfristig sogar unserer Gesundheit schadet, wahre Stärke offenbart, denn wenn wir anfangen "Ja" zu uns selbst zu sagen und "Nein" zu Menschen, die uns nicht gut tun, dann ist das niemals ein schwacher Schritt. 

 

Am Ende zählt, wer du bist und wie du selbst für dich einstehst.

 

Warum wir bleiben, wenn es eigentlich weh tut: Die Rolle des Selbstwerts

Wieso bleiben wir und halten Verhalten aus, dass uns unter anderem schmerzt und abwertet? Ganz häufig steckt dahinter der eigene Selbstwert und damit verbunden tief sitzende Glaubenssätze, die sich häufig schon in der Kindheit durch das Verhalten unserer engsten Vertrauten geformt haben. Der häufigste dieser Glaubenssätze ist: "Ich bin es nicht wert."

Abwertungen oder respektloses Verhalten des Partners werden dann nicht mehr als Warnsignal wahrgenommen, sondern als Bestätigung des eigenen (niedrigen) Selbstbildes. Wir halten aus, weil wir unbewusst denken, dass wir keine bessere Behandlung verdient haben. Die Hoffnung auf die Änderung des Partners wird so zum Schutzschild, um uns nicht mit der schmerzhaften Frage beschäftigen zu müssen: ‚Was bin ich mir eigentlich selbst wert?‘“

Der Schlüssel liegt dann darin, den eigenen Selbstwert zu stärken und alte Glaubenssätze aufzulösen, um sich selbst in das Bewusstsein zu bekommen, dass man mehr verdient hat, als das, was man gerade aushält.

 

"Ich kann nicht mehr. Und ich will das auch nicht mehr." - dein Weg da raus

An dem Punkt bin ich für dich da. Wenn du merkst, dass du dich in einer solchen Gedankenschleife drehst und dein Körper dir bereits Signale sendet, musst du da nicht alleine durch. In meiner E-Mail-Beratung schauen wir gemeinsam auf die Muster, die dich festhalten, und finden Wege, wie du wieder zurück zu dir selbst findest.